Berlin, Frühstück

Frühstück in Charlottenburg

Geiles Frühstück, geiler Tag. Ein ordentlicher und vor allem leckerer kulinarischer Start in den Tag ist doch schon die halbe Miete, oder? Dabei muss es gar nicht krampfhaft ausgefallen sein, die altbekannte Stulle tut’s auch. Solange sie mit den schmackhaftesten Zutaten daherkommt und in einem Ambiente angebo­ten wird, das mich zum Bleiben einlädt. Ob das 100. Käsefrühstück, Burger mit Avocado oder irgendwas, von dem ich nicht weiß, wie es ausgesprochen, geschweige denn richtig geschrieben wird – solange ich am liebsten in den Zutaten baden würde, ist mir alles recht. Und weil das Beste an Berlin sein Frühstück ist und ich mich selbst auch immer gern von anderen inspirieren lasse, habe ich hier mal meine Top 5 Früh­stück-Cafés in Charlottenburg für dich zusammengestellt. Als ich noch in Neukölln wohnte, war dies ein weit, weit entfernter Bezirk für mich. Jetzt ist es deutlich mehr in meinen Fokus gerückt, aber auch für Be­sucher aus dem Osten lohnt sich ein Ausflug in diesen gastronomischen Schmelztiegel.

 

1. DIE STULLE
Ich war gleich an zwei Tagen hintereinander da, so toll fand ich es in der „Stulle“ nähe Savignyplatz. Joa, Stullen kenne ich, denkst du jetzt vielleicht, die hat mir meine Mama früher auch geschmiert. Aber auch mit Avocado und gebeiztem Teriyaki-Sesam-Lachs auf frischem Brot aus einer Naturbäckerei? Mit tollen Na­men wie „Der Muntermacher“? Eben. Wenn auf der Karte in allen Gerichten Avocado, Ziegenkäse oder Süß­kartoffeln vorkommen, ist die Sache für mich schon geritzt. Drinnen liebevoll und gemütlich einge­richtet, draußen ab frühen Nachmittag Sonnenplätze. Ideal zum Frühstücken oder auch zum Lunch – ich sag nur: „Sommersalat mit Ziegenkäsebällchen in Kürbiskernmantel mit Aprikose, Nussmix und Brotchips“. Ich möchte bitte professionelle Frühstückscafetesterin werden, auf der Stelle. Morgens kann ich den „Green Garden“ empfehlen – zwei pochierte Landeier, Avocado und Parmesanhobel auf krossem Walnuss­brot mit Sprossensalat. Aber auch alles andere, was bestellt wurde, war optisch und geschmacklich klasse.

Stulle

Die Zutaten sind alle natürlich, bio und regional, und man kann sich die Gerichte auch liefern lassen. Kleiner Wermutstropfen: Die Preise sind so knackig wie der Salat. Wen das nicht abschreckt, der sollte gleich noch ein Stück selbstgebackenen Kuchen hinterher bestellen – alleine um mich durch alle durchzuprobieren, muss ich noch ein paar Mal wiederkommen. Ich habe mit dem Oreo-Kuchen angefangen – als Nachtisch reicht die Hälfte, wenn du jemandem zum Teilen dabei hast. Mega lecker und, entgegen meiner Befürch­tung, überhaupt nicht zu süß. Beim Bezahlen hörte ich eine Dame sagen, sie habe hier den besten Käse­kuchen überhaupt gegessen. Ich glaub, ich komm morgen wieder.

Die Stulle – Lecker Essen Manufaktur
Carmerstraße 10
10623 Berlin Charlottenburg
Mo-Fr 9-19, Sa-So 10-19

 

2. A NEVER EVER ENDING LOVE STORY
Kennst du die Art von Freude, wenn man zufällig auf einen tollen Laden stößt? So ging es mir mit „A never ever ending lovestory“. Der Name ist Programm, uns kann nun nichts mehr trennen. Ein kleines Café mit überschaubarer Anzahl an Sitzplätzen drinnen wie draußen, etwas versteckt in einer Seitenstraße von der quirligen Kantstraße. Die Verwandtschaft mit dem „What do you fancy love?“ eine Straße weiter lässt schon der Name erahnen. Mir gefällt besonders, dass hier weniger los ist als bei der großen Schwester, und die kompakte Größe macht es ungemein gemütlich. Zudem ist es angenehm unaufgeregt stylisch.

A never ever ending love story

Dass das Frühstück der Knaller ist, versteht sich von selbst. Ob hausgemachtes Granola, Rührei (mit Ricotta und Ziegenkäse!) oder Brot mit Guacamole, hier gibt es alles, was ich gern jeden Morgen zu Hause von irgendjemandem (wirklich: völlig egal von wem!) serviert bekäme. Die himmlischen Pancakes solltest du auch probieren. Der mit Banane, Dulce de Leche und Walnüssen war schon der Kracher, aber die Kombi Quark und Obst hat mir fast noch besser geschmeckt – dank der perfekten Mischung von süß und leicht säuerlich. Am Nachbartisch ließ mir dann noch das French Toast das Wasser im Munde zusammenlaufen, das wird definitiv beim nächsten Besuch in Angriff genommen.

A never ever ending lovestory
Bleibtreustraße 5
10623 Berlin Charlottenburg
Mi-So 9-15:30

 

3. WHAT DO YOU FANCY LOVE?
Zugegeben, ich war zunächst skeptisch. Der Name, die Nähe zum Ku’Damm – wie fancy würde es wohl sein? Es gibt sie zwar, die wohlhabenden und vermutlich nicht zu 100% echten Besucherinnen des „What do you fancy love?“ (immerhin sind wir hier in Charlottenburg), aber das Publikum ist doch recht gemischt, vom Touri über den Studenten bis zur Familie ist alles dabei. Wenn auch eine Spur mehr „fancy“ als in Kreuzberg oder Neukölln – wie überraschend, bei dem Namen. Ganz leicht wird es dir nicht gemacht: Du musst anstehen, um zu bestellen (und es ist immer voll), dir einen Überblick über das Frühstücksangebot auf einer gigantischen Tafel verschaffen (nein, es gibt wirklich keine Eierspeisen), dich dann noch entschei­den („Ich, ähm, neeeehme… aaaah – wollen Sie vielleicht vor?“), um schließlich einen Tisch im geschmackvoll eingerichteten Innen- oder Außenbereich zu ergattern.

What do you fancy love?

Aber ich stelle das „What do you fancy love?“ nicht vor, weil es die Werbung braucht, sondern weil es richtig gutes Frühstück anbietet. Und in Berlin bleibt ein Laden mit richtig gutem Frühstück nicht lange ein Geheimtipp. Also: einfach etwas Zeit einplanen. Denn hier wird alles täglich frisch zubereitet, und was nicht verkauft wird kriegen die, die es benötigen. Um mich nicht zwischen herzhaft (Avocado-Bagel!) und süß (das hausgemachte Love-Müsli mit Joghurt und Obst!) entscheiden zu müssen, wird meine Begleitung einfach zum Teilen gezwungen. Die Preise sind charlottenburgisch, der Kuchen ist wohooo. Hingehen. Nicht auf den Euro achten. Wirklich gut frühstücken.

What do you fancy love?
Knesebeckstraße 68/69
10623 Berlin Charlottenburg
Mo-Fr 8-6, Sa 9-6, So 10-6

 

4. THE BUTCHER

The Butcher 1

„The Butcher“ ist eigentlich ein Burgerladen auf der Kantstraße, du findest aber auch Frühstück auf der Karte. Die Burgerbar, die sich abends noch für ein Bier oder einen Cocktail lohnt, liegt im Erdgeschoss des SIR Savigny Hotels. Beim coolen Interior (alles ist weiß gefliest, auch die Decke) bekommt man kurz Angst, dass die Jungs in der offenen Küche den Begriff „Frische“ auf ein anderes Level heben wollen und die eigene Bestellung direkt vor deinen Augen schlachten. Wem das zu aufregend ist bestellt besser etwas Vegetarisches, zum Beispiel den Veggieburger oder Quinoa-Salat.

The Butcher 2Da es hier aber ums Frühstück gehen soll, werfe ich nochmal ein paar Begriffe in die Runde: Egg Benedict, Omelette und Pancakes. Unbedingt probieren solltest du den Avocado-Burger mit Frischkäse, Bacon und Ei. Der war so gut, dass wir regelmäßig eine ähnliche Variante zu Hause nachmachen, die natürlich nicht ganz ans Original rankommt. Und dann die Milchshakes! Strawberry Cheesecake, ungelogen der beste Milchshake, den ich je hatte. Und das lag nicht nur an meinen Schwangerschaftsgelüsten. Ich komme wieder und freue mich schon auf die Terrasse im Innenhof.

The Butcher
Kantstraße 144
10623 Berlin Charlottenburg
So-Do 7-1, Fr+Sa 7-3

Frühstück: Mo-Fr bis 10:30, Sa-So bis 11

 

5. BENEDICT
Wenn du Lust auf ein richtiges Früshtücks-Erlebnis hast, schau im Benedict vorbei. Egal ob es Dienstag Nachmittag oder Samstag Nacht ist – wer will, kann rund um die Uhr, also wirklich 24/7 dort Frühstück bestellen. Und das in einem phänomenalen Ambiente: Betondecke, Industrielampen, Pflanzen, Palmwedeltapeten, Metrofliesen, bodentiefe Fenster, die viel Licht reinlassen (wenn man denn beschließt, tagsüber frühstücken zu gehen ;)). Hier hat sich jemand richtig viel Mühe mit der Einrichtung gegeben, und da ich zur Zeit eh auf den Boho-Stil stehe, empfinde ich das Benedict als nette Abwechslung zu den sich häufig ähnelnden Neuköllner Vintage-Läden. Das liegt sicherlich an dem israelischen Einschlag – die Jungs dahinter kommen aus Tel Aviv -, und der kommt gut an. Daher sollte man unbedingt reservieren und/oder etwas Zeit mitbringen. Da man aber in einem genau so ansprechenden Wartebereich Platz nimmt, bevor man einen Tisch zugewiesen bekommt, vergeht die Zeit wie im Flug. Und obwohl alle Tische voll besetzt waren, kam das Essen bei unserem Besuch dann doch sehr schnell.

Eine weitere nette Überraschung ist die Freundlichkeit. Ja, leider ist Freundlichkeit in Berlin genau so überraschend, wie wenn der Bus um die Ecke pünktlich abfährt. Nicht zehn Minuten zu spät, auch nicht drei Minuten zu früh, einfach: pünktlich. Mich nervt es, dass ein Laden in Berlin um so mehr gehyped wird, je gelangweilter (im besten Fall) oder genervter (im schlechtesten) die Servicekräfte auf den Gast reagieren („Hey, hat dir die Kellnerin auch in den kalten Kaffee gespuckt?“ – „Nee, mich hat sie gar nicht erst bedient – cooler Laden, oder?!“ – „Jo, morgen wieder hin?“). Wenn ich schlechte Laune will, kauf ich in Neukölln im Späti ein. Nenn mich spießig, aber wenn ich im Café frühstücken gehe, fühle ich mich gern willkommen und wohl dort. So geschehen im Benedict. Und wenn’s dann noch so gut schmeckt, sehe ich auch über die Preise hinweg, zumal die Brotkörbe mit Brot aus der hauseigenen Bäckerei unbegrenzt nachgefüllt werden. Nächstes Mal komme ich für einen Drink an der langen, einladenden Bar. Oder zwei.

Benedict
Uhlandstraße 49
10719 Berlin
Mo-So 24/7

 

Hast du noch weitere Empfehlungen, wo man in Charlottenburg richtig gut frühstücken gehen kann? Immer her mit den Tipps 🙂

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