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INTERVIEW: „Der Alltag mit Kindern ist viel spannender und abwechslungsreicher“

INTERVIEW: „Der Alltag mit Kindern ist viel spannender und abwechslungsreicher“

Ich bin erst vor 7 Jahren nach Berlin gezogen. Dementsprechend gibt es eine Handvoll Leute über ganz Deutschland verteilt, die meiner Meinung nach auch hier leben sollten, weil ich sie eigentlich gern viel öfter sehen würde. Dazu zählt auch ein sehr guter Studienfreund von mir, der mittlerweile dreifacher Papa ist. Mein Mann und ich feiern uns jeden Abend selbst, dass wir den Tag halbwegs überlebt haben – und das mit einem Kind! Drei Kinder – das ist ’ne Ansage. Das ist mutig, spannend und ein bisschen verrückt. Die fünf sind aber auch wirklich inspirierend – noch bevor unser Dicker auf der Welt war, haben sie einem so richtig Lust auf Familienleben gemacht. Weil sie herzlich, lustig, sympathisch und allesamt extrem liebenswert sind. Eben die Art Familie, die man eigentlich gern öfter um sich hätte. Und weil wir irgendwann auch noch ein zweites Kind möchten, habe ich mir jetzt schonmal Tipps vom Profi eingeholt.

Wie sah euer Tag gestern aus?

Gestern war frühes Aufstehen angesagt, unser Jüngster schläft aktuell bei uns im Bett. Um 5:50 kamen die beiden Großen ins Elternschlafzimmer geschlichen. Da meine Frau seit Tagen ihre Erkältung austrägt, habe ich die Frühschicht übernommen und mich aus dem Bett geschält. In der Küche gabs den ersten Kaffee. Die Kinder haben sich mit einem Hörspiel vergnügt und ich konnte vor dem Frühstück noch in Ruhe auf dem Sofa aufwachen. Gemeinsames Frühstück zu fünft gegen 7 Uhr. Meine Frau und No. 3 wirkten ausgeschlafen und relaxt, ich war es eher nicht. Kindern anziehen, Zähneputzen in der morgendlichen Routine mal mit Spannungen, mal ohne. Dann habe ich unseren Lockenkopf Anni in die Kita gebracht, 5 Minuten frische Luft. Trödeln beim Ausziehen, aber dann ist sie wie immer freudig zu ihren Freunden gerannt, Gott sei Dank keine Kitadiskussionen. Zurück zum Haus und ab ins Auto, 30 Minuten bis zum Büro. Mein Kindertag endet hier, denn ich sehe alle erst wieder um 19:30, wenn ich ein stilles Haus betrete. Meine Frau hatte das Nachmittagsprogramm mit Spielen, versorgen, kochen und erziehen zu Hause gemeistert, so wie meistens. Ach so, der Große hat aktuell Scharlach und ist die Woche über nicht in der Kita.

Wie kam es zu der Entscheidung, 3 Kinder zu kriegen?

Meine Frau kam immer mal wieder mit dem Gedanken um die Ecke. Aus anfänglicher Ablehnung kam es über die Zeit zu gedanklichen Annäherungen. Da wir jungen Eltern ja häufig auch beruflich in einer entscheidenden Phase unserer Karrieren stehen, ist es immer auch eine wirtschaftliche Entscheidung. Mein Schlüsselmoment für ein drittes Kind war der Besuch einer Freundin – als ich ihr Drittgeborenes auf dem Arm hatte, spürte ich diese innerliche Freude, die man erlebt, wenn man neue kleine Menschen betrachtet.

Was ist die größte Herausforderung mit 3 Kindern?

5 Bedürfnisse im Blick zu haben. Alle Kinder sind in unterschiedlichen Entwicklungsabschnitten, da fällt es manchmal schwer, die Kinder ihrem Alter entsprechend zu fordern und abzuholen.

Ist 3 das neue 2?

Auf jeden Fall. Ich habe schon das Gefühl, immer mehr Familien trauen sich diesen Schritt zur Großfamilie zu gehen.

Ist es mit 3 Kindern 3 Mal so anstrengend?

Das ist die Frage, die ich häufiger mal gefragt werde, und ich kann es für mich nicht wirklich beantworten, denn es ist wie mit 2 Kindern eigentlich immer schwankend zwischen „ja es geht“ und „nein es ist gerade maximaler Stress“. Schlussendlich hat man mehr Routine beim Erziehen und ist entspannter bei vielen Sachen. Aber wenn eine Stimme mehr durch das Wohnzimmer quäkt ist es irgendwie schon unruhiger.

Denkt ihr über ein 4. nach?

Ich nicht. Von den Rahmenbedingungen her wäre es wohl machbar, wir hätten den Platz, das Geld und auch den passenden 7-Sitzer-Familienvan. Ist aber aktuell kein Thema.

Was ist das tollste an einer Großfamilie? Und was nervt?

Ich bin sehr stolz auf unsere Großfamilie. Die Kinder bekommen viel Gespür für das Miteinander und lernen soziale Kompetenzen. Sie müssen lernen sich anzupassen, das heisst auch, sich mit Gefühlen wie Geduld und Frust auseinanderzusetzen. Die großen Geschwister übernehmen Verantwortung, die kleineren lernen wiederum von den Großen. Das hat viele Vorteile. Dinge, die speziell als Großfamilie nerven, fallen mir nicht ein.

Was denkst du über Freunde, die keine Kinder wollen?

Ich bin da gelassen und tolerant. Kinder zu erziehen bedeutet Verantwortung zu übernehmen und sich zurückstellen zu können. Ich habe Verständnis für meine Freunde, die diesen Schritt nicht gehen können oder wollen.

Wie schafft ihr es, alles unter einen Hut zu kriegen – Arbeit, Kinder,
Beziehung, Freundschaften, Hobbys?

Das endet dann meistens im 16 Stunden Arbeitstag. Wenn man sich um 20:30 gerade auf dem Sofa niederfallen lässt, weil endlich alle Kinder schlafen, fällt einem dann noch ein, dass die Wäsche noch in der Waschmaschine ist. Manchen Lebensbereichen kann man nicht mehr so gerecht werden, wie man eigentlich wollen würde. Ich habe vor lauter Faszination beim ersten Kind meine Hobbys schleifen lassen. Da versuche ich mir heute mehr Zeit für einzuräumen, weil ich gemerkt habe, dass Familie besser gelingt, wenn man was für sein inneres Gleichgewicht macht. Freundschaften verändern sich natürlich auch, wie immer im Leben.

Welche Einstellung hilft im Familienalltag?

Relax! Wenn ich versuche, mich auf dieser Ebene zu bewegen, bleiben die Spannungshöhepunkte meist ein bisschen im Hintergrund.

Bist du der Vater, der du immer sein wolltest?

In Großteilen ja. Allerdings würde ich gerne mehr Zeit mit meinen Kindern in der Natur verbringen, aber dafür fehlt mir häufig die Kraft. Ansonsten verfolge ich schon meine Grundsätze: Konsequent liebevoll erziehen, viel Lob auszusprechen und meinen Kindern das Gefühl zu vermitteln, dass sie etwas Besonderes sind.

Wie haben dich deine 3 Kinder verändert?

Ich habe meinen emotionalen Horizont erweitert. Der Alltag insgesamt ist viel spannender und abwechslungsreicher. Jeder Tag ist anders. Ich habe natürlich mehr Verantwortung jetzt und damit auch weniger Freiheiten. Aber das passt, da meine Frau und ich uns gegenseitige Freiräume eingestehen und jeder seine kinderfreien Männer-/und Frauenwochenenden hat.

Wie würde wohl dein Leben ohne deine Kinder aussehen?

Schwer vorstellbar. Ich wäre wohl immer noch wie in den Zwanzigern als Student. Vielleicht in einer WG, vielleicht auch nicht. Vielleicht glücklich, vielleicht auch nicht. So wie es aktuell ist, gefällt es mir auf jeden Fall sehr gut.

Was meinst du – ein, zwei oder drei Kinder? Oder vielleicht auch keins? Was sind deine Gründe? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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